Im Hinblick auf die aktuelle osteopathische Praxis und den aktuellen Wissensstand in Anatomie und Physiologie ist es unseren beiden Referenten äußerst wichtig, einen großen Teil der Entwicklung des CMS von der Geburt bis zu den bleibenden Zähnen umfangreicher und intensiver darzulegen als in gängigen Lehrbüchern üblich. Daher finden Entwicklung und funktioneller Umbau von Viszero- und Neurocranium besondere Berücksichtigung. Während dieser Phase und darüber hinaus findet ein permanenter Lernprozess für das CMS statt, da wir lediglich mit einem Saugreflex geboren werden. Das aktive Zerkleinern der Nahrung wird erlernt und in das motorische System engrammiert. Unter Einschluss der o. g. Fakten hat sich in den letzten 20-30 Jahren durch viele neue wissenschaftliche Erkenntnisse gezeigt, dass unser craniomandibuläres System unbedingt in einem größeren Zusammenhang gesehen werden muss.
Für die mechanisch korrekte Bewältigung der Mastikation bedarf es einer mehrstufigen, äußerst sensitiven zentralnervösen Steuerung. Diese besteht aus der Kontrolle der Durchführung und deren direkter Korrektur bei Abweichungen vom Bewegungsmuster. Hierfür benötigt es den ständigen Zufluss von zahlreichen sensitiven und sensorischen Informationen aus dem gesamten Bereich des Viscerocraniums und des postcraniellen Systems. Wegen dieser Abläufe wird der Mastikation und dessen Genauigkeitsgrad in der Umsetzung besonders viel Aufmerksamkeit geschenkt, da er zu einem der präzisesten Vorgänge in unserer gesamten Motorik gehört. In diesem Zusammenhang muss auch auf den biologisch elementaren Aspekt der Homöostase hingewiesen werden.