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02.07.2024

Der neue Vorstand im Interview: Johan Van Gorp


Im März wurden sie neu gewählt, nun stellen sich die neuen Vorstände der BAO in Einzelinterviews vor und erläutern, was sie anpacken wollen und wie sich unter ihnen die BAO weiterentwickeln wird.
Den Anfang macht der stellvertretende Vorsitzende Johan Van Gorp.

Johan, du bist Schulleiter der Salutaris Akademie und wurdest dieses Jahr zum stellvertretenden Vorsitzenden der BAO gewählt. Bevor wir von den Zielen sprechen, die du dir für die BAO gesetzt hast, kannst du dich bitte all jenen vorzustellen, die dich noch nicht kennen?

Ich bin in Belgien geboren und aufgewachsen. 1994 beendete ich mein Studium der Physiotherapie mit dem Master of Science (MSc.) an der Katholischen Universität Leuven und ein Jahr später erlangte ich dort den MSc. in Manueller Therapie. Meine Osteopathie-Ausbildung schloss ich im Jahr 2000 an der Belgian School of Osteopathy ab. Seit 1997 arbeite ich in eigener Praxis in Alsdorf bei Aachen. Nach einiger Zeit als Assistent und später Dozent an der Belgian School of Osteopathy wurde ich Dozent an der Salutaris Akademie. Ich bin daher wohl einer der letzten aus einer Generation von belgischen Osteopathen, die nach ihrer Ausbildung nach Deutschland kamen, um hier zur Verbreitung einer qualitativ hochwertigen Osteopathieausbildung nach höchsten europäischen Standards beizutragen. Mit diesem Engagement bin ich 2018 Schulleiter der Salutaris Akademie geworden und habe nun Mitte März meine Wahl zum stellvertretenden Vorsitzenden im Vorstand der BAO angenommen.

Wir feiern dieses Jahr 150 Jahre Osteopathie. Um die Rolle und künftigen Aufgaben der BAO richtig einordnen zu können, sollten wir erst einmal zurückblicken: Kannst du uns dazu die Entwicklung der Osteopathie von den Anfängen in den USA, über Großbritannien bis nach Frankreich, Belgien und schließlich Deutschland kurz zusammenfassen?

Die Osteopathie wurde im 19. Jahrhundert in den Vereinigten Staaten gegründet, als die Medizin im Wilden Westen noch heroisch war, während die Grundprinzipien der modernen Medizin unter Claude Bernard, Louis Pasteur, Joseph Lister und Robert Koch gerade erst entwickelt wurden. Andrew Taylor Still, ein neugieriger und eklektischer Mann, war von der Auswirkungen der amerikanischen Medizin seiner Zeit schockiert und legte den Grundstein für eine andere Art der Behandlung, die auf der Einheit des Menschen, seiner Fähigkeit zur Selbstregulierung (Homöostase), der Beziehung von Struktur und Funktion und der Bedeutung einer guten Zirkulation der Flüssigkeiten beruht. Am 22. Juni 1874 gründete er die Osteopathie, weshalb wir dieses Jahr 150 Jahre Osteopathie als besonderes Jubiläum feiern. Durch einen der ersten Schüler Stills, John-Martin Littlejohn, kam die Osteopathie nach Europa. Er gründete 1917 in London die erste europäische Schule: die British School of Osteopathy. Anschließend kam die Osteopathie in den 1960er Jahren in Frankreich auf, und zwar dank Osteopathen, die in Großbritannien oder den USA ausgebildet worden waren. Diese bildeten ihrerseits andere aus und eröffneten dann Schulen. Letztendlich gründeten Ende der 1980er Jahre Osteopathen, überwiegend aus Frankreich und Belgien, die ersten Osteopathieschulen in Deutschland und so begann auch hier die Verbreitung, die sich bis heute fortsetzt.

In Großbritannien wurde die Osteopathie übrigens 1990 staatlich geregelt, als erstem europäischem Land.

Richten wir also unseren Blick auf Europa: Gibt es eine europäische Osteopathie? Welche sind die Gemeinsamkeiten hinsichtlich Ausbildung und Ausübung?

Im Gegensatz zu den USA entwickelte sich die Osteopathie in Europa als rein manueller Form der Medizin weiter und wird in verschiedenen Ausbildungsformen unterrichtet. Glücklicherweise gibt es in Europa viele Osteopathen, die in Ausbildungsinstituten und Berufsverbänden organisiert sind, und sich um die Gleichstellung der Osteopathie auf dem gesamten Kontinent bemühen. Die damaligen Verbände Europäische Föderation der Osteopathen (EFO) und das Forum für Osteopathische Regulierung in Europa (FORE), die mittlerweile zu „Osteopathy Europe“ fusioniert sind, haben 2015 die CEN-Norm EN16686 entwickelt. Diese europäische Norm zur osteopathischen Gesundheitsversorgung berücksichtigt die bereits bestehenden WHO-Benchmarks und wurde 2016 im Europäischen Parlament vorgestellt. Die CEN-Norm legt eine einheitliche hohe Qualität der klinischen Praxis, Ausbildung, Sicherheit und Ethik der Osteopathie europaweit fest und wurde bislang in 33 europäischen Ländern veröffentlicht.

Nach der CEN-Norm und den WHO-Benchmarks für die Ausbildung in Osteopathie gibt es zwei Arten von Osteopathie-Ausbildungsprogrammen:

  • Ausbildungsprogramme des Typs I (Vollzeit-Ausbildung) richten sich an Personen, die keine oder nur eine geringe Vorbildung im Gesundheitsbereich haben.
  • Ausbildungsprogramme des Typs II (Teilzeit-Ausbildung) richten sich an Personen mit einer vorherigen Ausbildung im Gesundheitswesen.

Derzeit ist die Osteopathie bereits in 13 europäischen Ländern gesetzlich geregelt. Aber obwohl innerhalb des osteopathischen Berufsstandes europaweit ein großer Konsens über den eigenen Beruf besteht, erweist es sich als sehr schwierig, diesen Einigkeit auch auf politischer und legislativer Ebene herzustellen. Die berufliche Anerkennung in Europa ist ein regelrechter Flickenteppich und keineswegs einheitlich geregelt.

Welche Unterscheide gibt es denn europaweit, neben der uneinheitlichen berufsrechtlichen Anerkennung?

Tatsächlich gibt es große Unterschiede. Es gibt Länder, in denen Osteopathen für ihre berufliche Anerkennung ganz spezifische Anforderungen zu erfüllen haben, um dann mit geringeren rechtlichen und medizinischen Einschränkungen im Direktkontakt arbeiten zu können. In anderen Länder erhalten Osteopathen viel weniger Verantwortung und haben mehr Einschränkungen, was meist an Vertretern der Schulmedizin liegt, die hier allein das Sagen haben und gleichermaßen Kläger wie Richter sind. Andererseits gibt es aber auch deutliche Unterschiede in der Ausbildung. In mehreren Ländern liegt die Osteopathieausbildung nach wie vor in den Händen der privaten Schulen, die im Laufe der Jahre eine große Expertise aufgebaut haben. Andere Länder hingegen setzen ganz auf die Akademisierung des Berufes oder lassen beide Formen der Ausbildung parallel zu.

Kommen wir zur Osteopathie in Deutschland: Ein Meilenstein ist das BAO-Curriculum für die berufsbegleitende Ausbildung aus 2004, das auch weiterhin eifrig kopiert wird. Welchen Weg muss die Osteopathie hier künftig gehen und welchen Beitrag will die BAO hierbei leisten?

Die “einheitlichen Eckpunkte für die Osteopathieausbildung in Teilzeit” stellen sicher, dass alle Mitgliedsschulen der BAO eine vergleichbar hochwertige Ausbildung auf dem Niveau der CEN-Norm und der Empfehlungen der WHO anbieten. Diese Ausbildungskriterien sollen in Zukunft die Grundlage für ein Berufsgesetz bilden, zusammen mit einer berufsqualifizierenden Abschlussprüfung und der Legalisierung der Berufsbezeichnung Osteopath/in. Für Vollzeit-Ausbildungen (Typ 1) ist es daher zwingend erforderlich, in absehbarer Zeit ein ähnliches Curriculum zu entwickeln. Eine Teil-Akademisierung des Berufsstandes könnte dazu beitragen, die Wirksamkeit osteopathischer Interventionen und die Kosteneffizienz osteopathischer Behandlungen wissenschaftlich besser zu erforschen. Dies setzt natürlich voraus, dass die Institute, die diese akademische Ausbildung anbieten, auch bereit sind, in wissenschaftliche Forschung und einen Lehrstuhl für Osteopathie zu investieren.

Und abschließend gefragt, wo siehst du deinen Schwerpunkt als neues Vorstandsmitglied der BAO, welche Ziele hast du dir gesetzt?

Ein große Herausforderung, die ich für Deutschland sehe, ist die zunehmende Zahl von qualitativ fragwürdigen Osteopathie-Ausbildungen. Da die Qualifikation der Osteopathen für Patienten nicht immer transparent ist, kann Patienten- und Verbraucherschutz nur über ein einheitliches Siegel wie das BAO-Qualitätssiegel gewährleistet werden. Auch für die berufliche Anerkennung auf hohem Niveau sind qualitativ fragwürdige Osteopathie-Ausbildungen hinderlich. Daher sehe ich es als mein Hauptziel an, gegen diese minderwertigen Ausbildungen anzukämpfen, Interessenten vor diesen zu warnen und mich bei Entscheidungsträgern und privaten und gesetzlichen Krankenkassen für die ausschließliche Anerkennung und Erstattung von BAO-zertifizierten osteopathischen Leistungen einzusetzen.

Außerdem will ich mich für den Erhalt der privaten Osteopathie-Ausbildungen engagieren. Diese Ausbildungsstätten haben sich über Jahrzehnte mit Herzblut für eine qualitativ hochwertige Osteopathie-Ausbildung eingesetzt und Tausende von Osteopathen ausgebildet, die jeden Tag zahlreichen Patienten zur deren großer Zufriedenheit helfen. Sie haben sich in der BAO zusammengeschlossen, um im Sinne des Patienten- und Verbraucherschutzes einen einheitlichen hohen Qualitätsstandard für die Osteopathieausbildung in Deutschland gewährleisten zu können. Mit einer ausschließlich akademischen Ausbildung würde diese Erfahrung und Expertise verloren gehen. Wissenschaftliche Forschung ist wichtig und muss unbedingt gefördert werden. Die Patienten brauchen aber vor allem auch gut ausgebildete Praktiker, die täglich für sie da sind, um ihre Krankheiten und Beschwerden zu behandeln. Daher bin ich ein absoluter Befürworter der Teil-Akademisierung.

Lieber Johan, vielen Dank für das Interview!


Das nächste Interview mit Vorstandsmitglied Ludger Nienhaus folgt in Kürze.










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